Ich habe mal ein kleines Interview mit Dr. Taesoo Kim geführt, in welchem wir über seine Erfahrungen mit Baseball und den Allstars gesprochen haben. Taesoo ist ein enger Freund von mir und war für mich auch immer ein Mentor beim Baseball.

Q) Starten wir erstmal mit der Frage: Wie bist du überhaupt ursprünglich zum Baseball gekommen?
A) Ich bin zum Baseball gekommen, als ich acht Jahre alt war und in den USA gelebt habe. Dort habe ich zufällig in einer Little League angefangen zu spielen. Ich war sofort begeistert – seitdem ist Baseball der Sport meines Lebens.
Q) Welche Baseball-Erfahrungen hattest du, bevor du nach Deutschland gekommen bist?
A) Wie erwähnt habe ich als Kind in den USA gespielt. In Korea habe ich als Schüler gelegentlich Baseball gespielt, und als ich an die Uni ging, habe ich dann in der Universitätsmannschaft gespielt.
Q) Wie bist du auf die Göttingen Allstars gekommen und warum bist du ihnen beigetreten?
A) Ich habe wieder in Göttingen angefangen, Baseball zu spielen, als ich mit meiner Dissertation fast fertig war. Nachdem ich mich lange Zeit stark auf Studium und Forschung konzentriert hatte, wollte ich unbedingt zurück zum Baseball. Ich war ehrlich gesagt überrascht, als ich überhaupt entdeckt habe, dass man in Göttingen Baseball spielt – und dann war der Schritt ins Team naheliegend.
Q) Wie hast du das Baseballtraining in Deutschland im Vergleich zu Korea erlebt?
A) Insgesamt kann man sagen, dass das Training in Deutschland in einer deutlich entspannteren Atmosphäre stattfindet als in Korea. Man kann dabei durchaus „chillen“ – das heißt aber nicht, dass das Training unkonzentriert wäre. Mir hat das Training in Deutschland sogar besser gefallen. Besonders mochte ich, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen, Berufen, Nationalitäten und sozialen Hintergründen zusammen spielen.
Q) Wird das Spiel hier anders gespielt als in Korea?
A) Was mich am meisten überrascht hat, war die Regel „nur fünf Runs pro Inning“, die es in unteren Ligen gibt. So sehr ich die Baseballkultur in Deutschland mag: Diese spezielle Regel halte ich persönlich für problematisch. Ich verstehe, warum sie existiert – gerade wegen der begrenzten Zahl an wirklich erfahrenen Pitchern in unteren Ligen –, aber sie passt für mich nicht ganz zum Geist des Baseballs.
Q) Was hat dich am meisten an Baseball in Deutschland überrascht?
A) Ehrlich gesagt hat mich am Anfang schon überrascht, dass in Deutschland überhaupt Baseball gespielt wird – daran hatte ich vorher nicht wirklich gedacht. Danach hat mich besonders beeindruckt, dass es trotz der geringeren Popularität des Sports so schöne Baseballplätze gibt. Die Qualität der Plätze, die ich erlebt habe, war insgesamt sehr gut.

Q) Wie hast du das Zusammenleben hier im Verein erlebt?
A) Meine Erfahrungen im Verein waren wirklich sehr schön – und das sind die Dinge, die ich nach meiner Rückkehr nach Korea immer mehr vermisse. Trainings und Spiele werde ich nie vergessen. Ich war schon in verschiedenen Teams, aber ein Team wie in Göttingen habe ich so noch nicht erlebt. Die Leute waren unglaublich freundlich, und man konnte sich auf echte Freundschaft verlassen.
Q) Gab es Momente, in denen du gemerkt hast, dass du anderen Spielern mit deiner Erfahrung helfen konntest?
A) Ja – vor allem wegen der unterschiedlichen Vorerfahrungen. In Korea haben viele, die mit Baseball anfangen, zumindest indirekt schon Kontakt mit dem Sport: Sie haben Spiele im Fernsehen gesehen oder waren einmal im Stadion. Dadurch verstehen sie grundlegende Regeln und typische Spielsituationen oft schneller. In Göttingen – und auch in anderen Teams in Deutschland – gab es hingegen Spieler, die zwar sehr sportlich waren, aber in manchen Situationen einfache Fehler machten, weil ihnen bestimmte Spielabläufe noch nicht klar waren. Als jemand mit etwas mehr Erfahrung konnte ich da manchmal helfen.
Q) Du hast zwei Jahre für uns gespielt. Gibt es einen Moment von einem Spiel, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
A) Es gibt viele Momente, die mir im Kopf geblieben sind. Schon beim ersten Spiel im Verein – es war mein erstes Spiel nach zehn Jahren Pause – konnte ich vor Aufregung kaum schlafen. Wenn ich aber einen Moment nennen müsste, dann wäre es ein Spiel nach einer langen Losing Streak, als wir in Extra Innings gegangen sind. Wir haben zwar am Ende verloren, aber man hat gespürt, dass wirklich alle gewinnen wollten – das war ein sehr intensiver Moment.
Q) Gibt es allgemein einen Moment, an den du dich gerne erinnerst?
A) Es gibt wahrscheinlich nicht den einen Moment, sondern viele Eindrücke: die Fungos, die Batting-Drills und natürlich die Field Days, an denen wir stundenlang am Platz gearbeitet haben. Am stärksten sind mir aber die Erinnerungen mit den Leuten geblieben.
Q) Jetzt bist du zurück in Korea. Spielst du dort weiterhin Baseball?
A) Ja, ich trainiere wieder für Baseball. Und ich werde Baseball spielen, so weit es mir möglich ist.
Q) Letzte Frage: Vermisst du etwas aus deiner Zeit hier im Team?
A) Vor allem vermisse ich meine Teammates.

Zum Abschluss bedanke ich mich natürlich nochmal ganz herzlich bei Taesoo! Ich hoffe in Zukunft mehr Zeit zu finden, solche Interviews noch mit anderen Teammitgliedern führen zu können.
Fotos: Phileas Schönberg